Physikerin des Monats

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April 2026

Beatrix Hiesmayr, Professorin für Quanteninformation an der IT:U Interdisciplinary Transformation University Austria in Linz

© Luiza Puiu

Über mich und meine Arbeit

In der Oberstufe bin ich eher zufällig zur Physik-Olympiade gekommen. Wir holten alte Experimente aus dem Physikkasten hervor, entstaubten sie und rätselten, warum dieses oder jenes passiert. Natürlich wollte jeder die bessere, „richtigere“ Erklärung finden. Um das zu zeigen, musste man die Widersprüche in den Argumenten der anderen aufspüren – ein wirklich spannendes Abenteuer. Unsere Lehrkraft organisierte außerdem Exkursionen zum CERN bei Genf, dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt, und zum Deutschen Museum in München.

Das Studium war anstrengend, aber je tiefer ich in die Materie eindringen konnte, desto faszinierender wurde sie für mich. Das Schöne daran: Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn ich ein physikalisches Problem löse – worauf ich zu Recht stolz bin – tun sich im Prozess meist gleich zahlreiche neue, spannende Fragen auf. Langweilig wird mir also nie, und das ist wunderbar.

Mein Fachgebiet ist die Quantenphysik beziehungsweise Quanteninformationstheorie. Die Quantentheorie ist tatsächlich merkwürdig, weil sie unserer Intuition oft widerspricht – und gerade deshalb so erfolgreich, denn folgt man ihren Regeln, kann man zuverlässig vorhersagen, was geschehen wird. Wir leben derzeit in besonders aufregenden Zeiten: Es entstehen vielfältige Quantentechnologien, etwa abhörsichere Kommunikation aufgrund quantenphysikalischer Gesetze oder Quantencomputer, die völlig anders funktionieren als die Rechner, die wir heute nutzen. Vielleicht lassen sich sogar Quanteneffekte nutzen, um mehr über Prozesse des Krebswachstums im Menschen zu lernen oder um nicht invasiv in den Körper zu blicken. Bei meinem neuen Arbeitgeber, IT:U, kann ich nicht nur meine interdisziplinären Interessen und wissenschaftlichen Ideen verfolgen, sondern erhalte auch die Chance, ein völlig neues Labor aufzubauen, in dem wir Lichtteilchen auf unterschiedliche Weise verschränken werden.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Chancengleichheit in der Physik ist nach wie vor nicht gegeben, und im Vergleich zu vor 20 Jahren lässt sich leider nicht sagen, dass sich die Situation spürbar verbessert hat. Hier muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. Es wird viel darüber gesprochen – das ist wichtig, weil es das Problem sichtbar macht –, doch jetzt braucht es konkrete, zielgerichtete Maßnahmen, damit sich in zehn Jahren wirklich etwas ändert. Die skandinavischen Länder haben vorgemacht, wie es gehen kann: Am Ende führt kaum ein Weg an Quoten vorbei, verbunden mit spürbaren Konsequenzen bei Nichteinhaltung.

Ich persönlich habe nach vielen Jahren des Einsatzes endlich eine Position erreicht, die meinen Leistungen entspricht. Mit den Möglichkeiten, die mir nun zur Verfügung stehen, möchte ich Frauen auf ihrem Weg in die Wissenschaft gezielt fördern und begleiten.

Wenn Sie mehr über Beatrix Hiesmayr und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem IT:U-Profil.