Physikerin des Monats

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September 2026

Marta Gibert, Universitätsprofessorin für Topologische und Komplexe Materialien

© Marta Gibert

Über mich und meine Arbeit

Ich bin Experimentalphysikerin im Bereich der Festkörperphysik. Wir stellen ultradünne Schichten aus Oxidverbindungen mit Präzision auf atomarer Skala her und untersuchen, wie sich ihre Eigenschaften an Grenzflächen verändern oder durch die verringerte Dimension bestimmt werden. So kann beispielsweise Leitfähigkeit zwischen zwei Isolatoren entstehen oder Magnetismus zwischen eigentlich nichtmagnetischen Materialien.

Seit 2021 bin ich Professorin an der TU Wien. Nach Wien kamen wir durch das Dual-Career-Programm, das es meinem Partner und mir schließlich ermöglichte, uns beide als Professoren in derselben Stadt und an derselben Universität zu etablieren. Bis dahin hatten wir viele Jahre in unterschiedlichen Städten und Ländern gelebt, auch während der Zeit, als unser erstes Kind geboren wurde. In dieser Phase, die entscheidend dafür war, die Positionen zu erreichen, die wir heute innehaben, haben wir viel über Belastbarkeit, Organisation und die Kunst gelernt, stets das Positive zu sehen. All das wäre jedoch ohne die unschätzbare Unterstützung unserer Familien nicht möglich gewesen. Sie waren immer bereit, dorthin zu reisen, wo ich gerade lebte, wenn Hilfe benötigt wurde.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Glücklicherweise habe ich die Auswirkungen von Geschlechterungleichheit in meiner Karriere erst wirklich gespürt, als ich Professorin und gleichzeitig Mutter wurde. Davor arbeitete ich stets in Gruppen, in denen alle gleich behandelt wurden, und ich habe zumindest bewusst keinen Unterschied wahrgenommen. Strukturelle Barrieren werden besonders sichtbar, wenn beruflicher Aufstieg und familiäre Verantwortung zusammentreffen, da der Beginn beider Lebensphasen oft zeitlich zusammenfällt.

Ohne gezielte Maßnahmen zur Förderung von Gleichstellung werden wir unser Ziel nicht erreichen. Quoten können helfen. Ebenso Mentoring-Programme und spezielle Förderinstrumente für jene Karrierephasen, in denen Frauen besonders häufig aus dem Wissenschaftsbetrieb ausscheiden. Familienfreundliche Zeitpläne und Unterstützung bei Dienstreisen sind weitere wichtige Bausteine. Wenn Kinder sehr klein sind, benötigen sie ständige Nähe und Betreuung. Doch auch wenn sie bereits zur Schule gehen, können sie nicht einfach mehrere Tage mit einem Elternteil zu einer Konferenz reisen. Dadurch entsteht eine besondere und oft unterschätzte Herausforderung für Menschen in Berufen mit hoher Mobilitätsanforderung.

Neben den biologischen Gegebenheiten, die tatsächlich offensichtliche Herausforderungen mit sich bringen, etwa Fernreisen während der Stillzeit oder die Teilnahme an wichtigen Bewerbungs- oder Fördergesprächen, betreffen die Anforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf alle betreuenden Personen, unabhängig vom Geschlecht. Bemühungen um Gleichstellung müssen dies ebenfalls berücksichtigen, wenn wir ein inklusives Umfeld schaffen und Talente in allen Karrierephasen und Lebenssituationen erhalten wollen.

Auch im Alltag können wir aktiv zu mehr Gleichstellung beitragen, indem wir uns gegenseitig unterstützen, Erfahrungen teilen und offen über diese Herausforderungen sprechen. So fühlen sich jüngere Generationen weniger allein mit den Schwierigkeiten, denen sie begegnen. Vor zwei Jahren haben wir deshalb gemeinsam mit einer Gruppe von Kolleginnen fem*PHYS gegründet, ein Netzwerk von Frauen in der Physik. Ziel ist es, wertvolle Möglichkeiten zur Vernetzung zu schaffen, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, die Leistungen von Wissenschaftlerinnen sichtbar zu machen und ihre Präsenz in der Öffentlichkeit zu stärken.

Wenn Sie mehr über Marta Gibert und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zu ihrem TU-Wien-Profil, hier die Website ihrer Arbeitsgruppe sowie hier ihr LinkedIn-Profil.