Physikerin des Monats

Sie sind Physikerin und möchten gerne sich und Ihre Forschung bzw. Arbeit vorstellen? Scheuen Sie nicht, uns unter chancengleichheit@oepg.at zu schreiben!

Mai 2026

Elisabeth Gruber, PostDoc am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik an der Universität Innsbruck

© Elisabeth Gruber

Über mich und meine Arbeit

Ich habe Technische Physik an der TU Wien studiert und im Bereich der experimentellen Atomphysik promoviert. Anschließend war ich als Postdoc an der Universität Aarhus in Dänemark tätig, wo ich mich auf Molekülphysik und Laserspektroskopie spezialisierte. Im Rahmen eines FWF-Hertha-Firnberg-Grants sowie eines anschließenden FWF-Elise-Richter-Grants führte mich mein wissenschaftlicher Weg an die Universität Innsbruck. Dort baute ich eine neue Experimentieranlage auf, die die Spektroskopie kalter Molekülionen ermöglicht. In den letzten Jahren hat sich mein Forschungsschwerpunkt auf Molekülsysteme von astrochemischer Relevanz verlagert, die ich im Rahmen des kürzlich erhaltenen FWF-ASTRA-Preises weiter untersuchen werde.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Mehr Chancengleichheit in der Physik erfordert Maßnahmen auf mehreren Ebenen, von der frühen Kindheit bis zum Berufsleben. Die Prägung durch Familie und Gesellschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Dass noch immer zwischen „weiblichen“ und „männlichen“ Tätigkeiten, Fähigkeiten oder Interessen unterschieden wird, zeigt deutlich, dass weiterhin großer Handlungsbedarf besteht.

Da sich familiäre und gesellschaftliche Strukturen nur langsam verändern, kommt der Schule eine Schlüsselrolle zu. Frühzeitige Begeisterung für Physik kann dort durch Experimente, Projekte, Workshops oder den Kontakt zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geweckt werden. Entscheidend ist, dass diese Förderung unabhängig vom Elternhaus erfolgt, um allen Kindern gleiche Chancen zu ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Förderung von Frauen in späteren Phasen ihrer Laufbahn. Noch immer ist es schwierig, einen zeitintensiven Beruf mit Familie zu vereinbaren. Im akademischen Bereich fällt die Familiengründung häufig in eine unsichere Karrierephase mit befristeten Stellen, häufigen Ortswechseln und sehr hohen Arbeitszeiten. Frauen fühlen sich oft dazu gedrängt zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen. Außerhalb der Universitäten ist die Situation nicht besser: Während Männer mit Familie häufig positiv wahrgenommen werden, gilt sie bei Frauen noch immer als Karrierehindernis.

Der Abbau solcher Vorurteile braucht Zeit, kann jedoch durch strukturelle Maßnahmen gefördert werden, etwa durch bessere Kinderbetreuung, mehr Flexibilität am Arbeitsplatz und Ausbau von unbefristeten Stellen an Universitäten. Ergänzend sind Mentoringprogramme wichtig, wobei auch Männer stärker einbezogen werden sollten, um sie für bestehende Ungleichheiten zu sensibilisieren.

Frauenförderung wird meistens mit Frauenquoten in Verbindung gebracht. Zwar können diese mit negativen Begleiterscheinungen verbunden sein, etwa einer geringeren Anerkennung der erbrachten Leistung oder zusätzlicher Gremienarbeit, die derzeit oft auf wenige Frauen verteilt ist. Dennoch halte ich Frauenquoten – leider noch immer – für ein notwendiges Instrument, um Chancengleichheit zu erreichen. Sie tragen dazu bei, Frauen in Entscheidungspositionen zu bringen und dort neue Perspektiven einzubringen. Ich hoffe, dass solche Maßnahmen schon bald überflüssig werden und Chancengleichheit selbstverständlich ist.

Wenn Sie mehr über Elisabeth Gruber und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem Websiteprofil an der Uni Innsbruck, hier den Link zu ihrem ORCID sowie hier den Link zur Institutswebsite.