Physikerin des Monats

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Juli 2026

Aline Ramires, Assistenzprofessorin am Institut für Festkörperphysik der TU Wien

© Peter Holzwarth

Über mich und meine Arbeit

Ich bin theoretische Festkörperphysikerin und befasse mich mit Quantenmaterialien. Meine Forschung untersucht, wie Symmetrien und elektronische Wechselwirkungen in komplexen Materialien neuartige Quantenphasen der Materie hervorbringen. Ziel ist es, grundlegende physikalische Phänomene zu verstehen, die künftig möglicherweise neue Quantentechnologien ermöglichen.

Ich begann mein Studium im Fach „Physikalische Ingenieurwissenschaften“, einem damals neu eingerichteten Studiengang, der in meinem Heimatland Brasilien nur an einer einzigen Universität angeboten wurde. Schon damals wollte ich besser verstehen, wie die Welt funktioniert, und gleichzeitig eine technisch orientierte Laufbahn einschlagen. Während meines Bachelorstudiums kam ich durch ein wissenschaftliches Projekt zur Supraleitung erstmals mit Forschung in Berührung und erkannte, dass eine wissenschaftliche Karriere genau das bot, wonach ich gesucht hatte: die Möglichkeit, aus Neugier und Kreativität heraus neue Ideen zu erforschen. Diese Erfahrung veranlasste mich, meinen Schwerpunkt auf Physik zu verlagern und ein Masterstudium zu suchen, in dem ich mein Verständnis der Supraleitung vertiefen konnte.

Nach meinem Masterabschluss in Brasilien zog ich für meine Promotion an die Rutgers University in den Vereinigten Staaten, die ich 2015 abschloss. Anschließend war ich in Forschungspositionen an der ETH Zürich, am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme sowie am ICTP-SAIFR tätig. Von 2020 bis 2025 arbeitete ich als Ambizione Fellow und Leiterin einer Nachwuchsgruppe am Paul Scherrer Institut, gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds. Seit 2025 bin ich Tenure-Track-Assistenzprofessorin am Institut für Festkörperphysik in Wien.

Außerhalb der Forschung gestalte ich gemeinsam mit meinem Partner, der ebenfalls Wissenschaftler ist, das Familien- und Berufsleben über zwei Länder hinweg. Diese Herausforderung hat mir gezeigt, dass Work-Life-Balance viele unterschiedliche Formen annehmen kann.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Wenn ich auf meinen eigenen Werdegang zurückblicke, wird mir bewusst, wie entscheidend der Zugang zu Informationen und Möglichkeiten sein kann. Als ich in Brasilien aufwuchs, erschien mir eine wissenschaftliche Karriere nicht als realistische Option. Erst durch Forschungserfahrungen während meines Studiums lernte ich kennen, was wissenschaftliche Arbeit tatsächlich bedeutet, und begann, mir selbst eine Zukunft als Physikerin vorzustellen.

Deshalb bin ich überzeugt, dass mehr Sichtbarkeit und ein besserer Zugang zu wissenschaftlichen Möglichkeiten zu den wichtigsten Schritten auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit in der Physik gehören. Vorbilder, Outreach-Aktivitäten und Mentoring können jungen Menschen helfen, Wissenschaft als einen für sie offenen Weg wahrzunehmen und das Selbstvertrauen zu gewinnen, diesen auch einzuschlagen.

Gleichzeitig erfordert Chancengleichheit unterstützende und faire Rahmenbedingungen während der gesamten wissenschaftlichen Laufbahn. Transparente Verfahren bei Einstellungen, Förderentscheidungen und Leistungsbewertungen sind dabei ebenso wichtig wie die Anerkennung, dass Karrierewege nicht immer geradlinig verlaufen und Forschende unterschiedliche persönliche Lebensumstände haben.

Dies wurde mir besonders deutlich während eines Bewerbungsgesprächs, in dem ich wiederholt gefragt wurde, ob meine familiäre Situation es mir erlauben würde, den Anforderungen der Stelle gerecht zu werden. Obwohl ich bereits erklärt hatte, dass die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen gegeben waren, wurde das Thema immer wieder angesprochen. Erst als ein weiteres Mitglied der Kommission darauf hinwies, dass eine vergleichbare Antwort eines männlichen Bewerbers akzeptiert worden war, wurde die Diskussion beendet. Solche Erfahrungen erinnern mich daran, dass Gleichbehandlung nicht selbstverständlich ist. Sie motivieren mich zugleich, mich überall dort aktiv für Fairness und Inklusion einzusetzen, wo ich die Möglichkeit dazu habe.

Wenn Sie mehr über Aline Ramires und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrer privaten Website sowie hier den Link zur Institutswebsite der TU Wien.