Physikerin des Monats

Sie sind Physikerin und möchten gerne sich und Ihre Forschung bzw. Arbeit vorstellen? Scheuen Sie nicht, uns unter chancengleichheit@oepg.at zu schreiben!

November 2026

Sinja Niemann, Doktorandin am Institut für Experimentalphysik an der JKU Linz

© Sinja Niemann

Über mich und meine Arbeit

Meine Begeisterung für Naturwissenschaften entwickelte sich bereits in der Oberstufe, wo ich mich vor allem für Physik und Chemie interessierte. Als es schließlich um die Studienwahl ging, fiel es mir schwer, mich auf eine einzelne Disziplin festzulegen. Daher entschied ich mich für den Studiengang Nano-Science an der Universität Tübingen. Dieser vereint zu gleichen Teilen Physik, Chemie und Biologie. Damit bot er mir die Möglichkeit, wissenschaftliche Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und ein breites Verständnis für komplexe Zusammenhänge zu entwickeln.

Im Laufe meines Studiums verlagerte sich mein Interesse zunehmend in Richtung Biologie und insbesondere Biophysik. In diesem Bereich fertigte ich schließlich auch meine Masterarbeit an. Durch diese interdisziplinäre Ausrichtung gelangte ich schließlich zu meiner Promotionsstelle am Institut für Experimentalphysik der JKU Linz in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kerstin Blank.

Dort beschäftige ich mich aktuell mit der Entwicklung molekularer Kraftsensoren zur Messung zellulärer Kräfte. Wir nutzen dabei physikalische Methoden wie die Kraftspektroskopie sowie fluoreszenzbasierte Messmethoden, um kleinste mechanische Veränderungen von Zellen sichtbar und messbar zu machen.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Chancengleichheit in der Physik beginnt aus meiner Sicht bereits sehr früh, nämlich in der Schule. Hier ist der Abbau von Vorurteilen gegenüber Naturwissenschaften im Allgemeinen und insbesondere gegen junge Frauen in der Wissenschaft meiner Meinung nach ein entscheidender Schritt. Ich hatte das Glück, von einer tollen Mathematik- und Physiklehrerin unterrichtet zu werden, die mich früh gefördert und bestärkt hat. Genau solche positiven Vorbilder können aus meiner Perspektive einen enormen Einfluss darauf haben, ob sich junge Menschen, vor allem Frauen, zutrauen, einen naturwissenschaftlichen Weg einzuschlagen.

Ich finde auch, dass gendergerechte Sprache hierbei eine wichtige Rolle spielt. Wenn wir aufhören, nur von „Physikern“ zu sprechen, und stattdessen bewusst inklusivere Formulierungen verwenden, machen wir sichtbar, dass alle Menschen in diesem Feld gemeint sind.

Darüber hinaus halte ich es für wichtig, aktiv Sichtbarkeit für Frauen in der Physik zu schaffen. Initiativen wie die Ausstellung „Forscherinnen im Fokus“ an der JKU Linz, an welcher ich teilnehmen durfte, leisten hierzu einen wertvollen Beitrag. Es war für mich sehr inspirierend, die Vielfalt und Qualität der Forschung von Frauen an meiner Universität zu sehen und gleichzeitig selbst Teil dieser Sichtbarkeit zu sein. Solche Formate zeigen nicht nur, wie erfolgreich Frauen in der Wissenschaft sind, sondern machen ihre Arbeit auch für eine breitere Öffentlichkeit greifbar.

Zusätzlich dazu, haben mir meine eigenen Erfahrungen gezeigt, wie wichtig ein inklusives Umfeld ist. Während meiner Suche nach einer PhD-Position war es für mich ein entscheidender Faktor, in einer Arbeitsgruppe zu arbeiten, die nicht überwiegend männlich geprägt ist. Ich wählte bewusst ein Umfeld, in dem Vielfalt gelebt wird und in welchem die Zugehörigkeit von Frauen eine Selbstverständlichkeit ist. Der hohe Frauenanteil von über 70 % in meiner jetzigen Arbeitsgruppe, macht sie meiner Meinung nach besonders zugänglich für junge Wissenschaftlerinnen. So sind aktuell sechs Studentinnen Teil unserer Gruppe, die bei uns ihre Abschlussarbeiten durchführen.

Ich bin überzeugt, dass es mehr inklusive Arbeitsumfelder und Initiativen braucht, um Frauen* gezielt zu fördern und ihre gesellschaftliche Sichtbarkeit weiter zu stärken. Denn, meiner Meinung nach tragen sichtbare Vorbilder auf allen Karrierestufen dazu bei, bestehende Strukturen aufzubrechen und nachfolgenden Generationen zu zeigen, dass eine Karriere in der Physik für alle offensteht! (Die Formulierungen mit * am Wortende inkludieren alle Personen, die sich als Frauen, Inter* und/ oder Non-Binary definieren.)

Wenn Sie mehr über Sinja Niemann und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zu ihrem Profil auf der JKU-Website sowie hier den Link zur Institutswebsite.