Physikerin des Monats
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Juni 2026
Karin Wiesauer, Leitung Organisationseinheit Medizinphysik am Ordensklinikum Linz
Über mich und meine Arbeit
Neben vielen anderen Interessen war ich immer schon von Technik fasziniert. Dies führte zum Entschluss, Technische Physik in Linz zu studieren, gefolgt von einer Dissertation im Bereich Halbleiterphysik. Dabei wurde ich immer durch das Vertrauen meiner Eltern unterstützt, dass ich das kann und schaffen werde. Im Anschluss folgte eine beinahe 10-jährige berufliche Tätigkeit in der angewandten Forschung, mit den Schwerpunkten Optische Kohärenztomographie und Terahertz-Technologie. Eher zufällig wurde ich auf den Bereich der medizinischen Physik aufmerksam und mir war klar, dass dies mein Weg sein sollte. Berufsbegleitend absolvierte ich den Universitätslehrgang für Medizinische Physik in Wien und bekam direkt nach Abschluss eine Anstellung als Medizinphysikerin im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Im Ordensklinikum bin ich seit nunmehr 13 Jahren tätig und leite dort seit ca. 3 Jahren die Organisationseinheit Medizinphysik. Oft weitgehend unbekannt, sind Medizinphysiker:innen in Krankenhäusern tätig, insbesondere dort, wo mit ionisierender Strahlung gearbeitet wird, wie der Strahlentherapie, der Radiologie und der Nuklearmedizin. Mein 18-köpfiges Team umfasst neben Medizinphysiker:innen auch Radiologietechnolog:innen in der Bestrahlungsplanung und einen Medizininformatiker. Das Schöne an der Tätigkeit als Medizinphysiker:in ist die offensichtliche Sinnhaftigkeit: Wir tragen tagtäglich zu einer sicheren und optimierten Behandlung von Patient:innen bei. Nebenbei arbeiten wir im engen Austausch mit verschiedenen Berufsgruppen und in einem hoch-dynamischen Umfeld mit permanenten technologischen Entwicklungen, was die Arbeit abwechslungsreich und spannend macht.
Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?
Zwei Erfahrungen, beide während des Studiums, habe ich heute noch in Erinnerung: Erstens die Frage, ob Technische Physik nicht ein schweres Studium für eine Frau sei. Meine Antwort „Nicht schwerer als für einen Mann“ brachte meinen Gegenüber kurz zum Nachdenken und letztendlich zur Erkenntnis, dass ich da eigentlich Recht hätte. Die zweite Situation gab mir wesentlich mehr zu denken, insbesondere da die Aussage von einer Frau kam: dass es für mich als Frau unverantwortlich sei, so ein Studium zu wählen, weil das würde ja nicht gehen, wenn ich dann Familie hätte. Das alles ist Jahrzehnte her, aber dennoch habe ich den Eindruck, dass dieses Bild noch recht tief in unserer Gesellschaft verankert ist. Mehr Chancengleichheit in der Physik benötigt mehr die Selbstverständlichkeit, dass Frauen genauso technisches Interesse und Begabung besitzen und gleichermaßen in diesen Bereichen tätig sind. Dies benötigt Förderung, und diese muss von Beginn an starten – im Kindergarten und der Schule durch entsprechend geschulte Pädagog:innen, im Studium durch gezielte Förderprogramme für Frauen und letztendlich im Berufsleben gegebenenfalls durch Quoten. Denn wenn Frauen bei der Jobsuche in geringerem Ausmaß berücksichtigt werden, dann liegt dies, soweit meine Erfahrungen, im Normalfall nicht an der schlechteren Qualifikation. Ich selber hatte nie den Eindruck, als Frau geringere Chancen zu haben, denn ich hatte das Glück im Studium und im Berufsleben auf Personen zu treffen, für die diese Selbstverständlichkeit Normalität war, und die ich im Nachhinein deswegen als Mentoren bezeichnen möchte. Solche Personen sind ebenfalls außerordentlich wichtig für die Chancengleichheit in der Physik. Ich sehe jedenfalls Männer und Frauen gleichermaßen gefordert. Den Mädchen und Frauen möchte ich aber mitgeben: Lasst euch durch keine vermeintlichen Rollenbilder vor irgendetwas abhalten, folgt euren Interessen!
Wenn Sie mehr über DI Dr. Karin Wiesauer, MSc. und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem LinkedIn-Profil, hier den Link zu ihrem XING-Profil sowie hier den Link zur Abteilungswebsite der Radioonkologie des Ordensklinikums.