Archiv - Physikerinnen des Monats 2026

Jänner 2026

Magdalena Schatzl, Teamleiterin am metallurgischen COMET Kompetenzzentrum K1-MET

© K1-MET GmbH

Über mich und meine Arbeit

Ich bin seit 2016 beim metallurgischen COMET Kompetenzzentrum K1-MET im Bereich Simulation- und Datenanalyse tätig. Nach ein paar Jahren als PostDoc leite ich mittlerweile ein COMET Modul, das sich mit der Simulation, Modellierung und Überwachung von zukunftsträchtigen Plasma- und Lichtbogenbasierten Prozessen in der Metallindustrie beschäftigt. Meine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Universität und Industrie ist sehr vielseitig. Die Forschungsaufgaben können sowohl Grundlagen-nahe sein als auch auf eine Anwendung direkt im Prozess abzielen. Meine vielseitigen Aufgaben reichen von der Entwicklung neuer Forschungsthemen, über Projektakquise bis hin zu Projektmanagement.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Glücklicherweise haben meine Eltern und LehrerInnen mein Talent im MINT-Bereich schon früh erkannt, mich entsprechend gefördert und überzeugt, dass eine HTL für Informatik die richtige Schule für mich sein könnte. Dort hat mich meine Physiklehrerin derart begeistert, dass ich nach der Matura kurzerhand Technische Physik an der Johannes-Kepler-Universität Linz inskribierte und schlussendlich mit einem Doktorat am Institut für Halbleiterphysik abschloss.

Mein Werdegang zeigt wohl gut, dass eine Förderung durch Eltern und LehrerInnen, aber auch die Sichtbarkeit von Role-Models Mädchen und Frauen Mut geben, in männerdominierte Bereiche vorzudringen. Nach dem Doktorat habe ich für mich beschlossen, aufgrund der schwierigen Vereinbarkeit mit Familie (Stichwort örtliche und zeitliche Flexibilität, befristete Arbeitsverhältnisse), einer akademischen Laufbahn den Rücken zu kehren. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie K1-MET bieten eine gute Möglichkeit, weiterhin wissenschaftlich tätig zu sein, aber gleichzeitig mehr Planungssicherheit zu haben. K1-MET beschäftigte von Beginn an Frauen in führenden Rollen und es wird nicht davor gescheut, Frauen im gebärfähigen Alter und mit Betreuungspflichten einzustellen. Das ist mit Sicherheit Teil der Erfolgsgeschichte, im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich einen sehr hohen Frauenanteil aufzuweisen.

In meiner schulischen, universitären und auch beruflichen Laufbahn habe ich lange keine für mich merklichen Ungleichheiten wahrgenommen. Seit ich Mutter zweier kleiner Kinder bin habe ich durchaus bemerkt, dass die Herausforderungen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, teils immens sind. Gleichberechtigte Partnerschaft und eine gerechte Aufteilung der Familienarbeit sehe ich als einen wichtigen Schlüssel. Hier sind aber auch die Arbeitgeber gefordert, Eltern in einer Teilzeitanstellung eine Rolle mit Verantwortung zuzutrauen und gegebenenfalls über Führen in Teilzeit oder Shared-Leadership Modelle nachzudenken. Dabei darf nicht darauf vergessen werden, Familien-engagierten Vätern dieselben Möglichkeiten einzuräumen.

Wenn Sie mehr über Magdalena Schatzl und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur K1-MET-Team-Website sowie hier den Link zur ihrem LinkedIn-Profil.


Februar 2026

Sarah Skoff, Gruppenleiterin der Gruppe Festkörperquantenoptik und Nanophotonik an der TU Wien

© Sarah Skoff

Über mich und meine Arbeit

Ich bin Leiterin der Gruppe Festkörperquantenoptik und Nanophotonik und beschäftige mich mit Quantenemittern, die in Festkörpern z. B. zweidimensionale Materialien integriert werden können und grosses Potenzial haben für neue Quantentechnologien verwendet zu werden. Weiters kommen in unserer Forschungsgruppe auch nanophotonische Bauteile für hochpräzise Sensorik in Verwendung.

Ich verbrachte fast 8 Jahre meiner wissenschaftlichen Laufbahn in England, wo ich 2011 meinen PhD in Physik am Center for Cold Matter am imperial College London abschloss. Nach einer zusätzlichen PostDoc Zeit im Forschungsfeld „Kalte Moleküle“ wechselte ich dann an die Technische Universität Wien und begann an Quantenemittern in Festkörpern zu forschen. Seit 2018 bin ich nun Juniorgruppenleiterin für „Festkörperquantenoptik und Nanophotonik“ und seit 2022 Elise Richter Fellow des FWF, was mir das Antreten einer Exzellenzlaufbahnstelle ermöglichte.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Um Chancengleichheit zu gewährleisten, sollte die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft aus Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen im Lehrmaterial abgebildet sein, wie die männlichen Kollegen.

Weiters ist die Vereinbarung von Familie und Beruf in der Forschung weiterhin ein Thema, welches Frauen allein aus biologischen Gründen mehr betrifft, da die Zeit der Familiengründung sehr oft in die Zeit fällt, wo man sich gerade im Forschungsumfeld etablieren muss. Um Frauen und auch insgesamt Jungeltern hier nicht zu benachteiligen, braucht es Forschungsförderung, die speziell Jungeltern (egal welchen Geschlechts) unterstützt, so dass maximale Flexibilität im Beruf gewährleistet ist.

Wenn Sie mehr über Sarah Skoff und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrer Team-Website sowie hier den Link zur ihrem ORCID-Profil.


März 2026

Sabine Klepsch, Geschäftsführerin der Firmen Seletec und Senova

© Sabine Klepsch

Über mich und meine Arbeit

Ich entschloss mich erst im Maturajahr zum Physikstudium, weil mir klar wurde, dass ich die grundlegenden Prozesse unserer Welt möglichst tief verstehen wollte. Nach meinem Abschluss an der TU Wien begann ich 1996 eine Kooperation mit dem Institut für Hydraulik der BOKU und der TU Wien. Mein Forschungsschwerpunkt lag auf Transportprozessen gelöster Stoffe in Böden, insbesondere auf Simulation, Modellierung und Nichtgleichgewichts-Phänomenen in porösen Medien.

Es folgten ein Forschungsaufenthalt am Institut für Grundwasserforschung in Dresden (1997) sowie ein Stipendium der ARC Seibersdorf research GmbH in Zusammenarbeit mit BOKU und TU Wien (1998–2001). Ab 2001 war ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bodenforschung der BOKU und arbeitete unter anderem an der Verknüpfung molekularer Sorptionsstudien mit makroskopischen Parametern sowie an Rhizosphärenmodellierung.

Neben meiner Lehrtätigkeit war ich organisatorisch u. a. an mehreren internationalen Fachveranstaltungen beteiligt und Co-Managerin des EU-Teilprojekts TREND (AquaTerra).

2010 begann ich - zusätzlich zu laufenden Forschungsprojekten - etwas ganz anderes: Ich folgte meiner Leidenschaft für das Segeln, und arbeitete ca 9 Jahre überwiegend in St. Maarten/Karibik als Organisator und Skipper für Motorboot-Touren und Segelregatta-Charter, oft inklusive Training. 2019 übernahm ich schließlich die Geschäftsführung der Spritzgussfirma Seletec und der Handelsfirma Senova, die ich bis heute mit großer Begeisterung leite.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Ich hatte während meines Studiums Glück mit meinen ProfessorInnen und KollegInnen meines Jahrgangs. Frauenfeindliche Kommentare hatte ich gottseidank nicht erlebt und auch sonst nie das Gefühl, aufgrund meines Geschlechts abgelehnt zu werden. Auch bei Instituten wie der Chemie, und am Atominstitut, wurde ich für Praktika sofort akzeptiert. Ehrlich gesagt war mein größtes Hindernis mein damals nicht sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein ;-). Allerdings begegnen wir wahrscheinlich alle im Leben immer wieder Männern, die sich Frauen gegenüber bei technischen Themen arrogant oder überheblich verhalten.

Wichtig ist aus meiner Sicht, bereits in der Volksschule mehr für Chancengleichheit und Stärkung des Selbstbewusstseins von Mädchen zu tun – einige der Physikerinnen dieser Plattform engagieren sich hier bereits. Das Interesse an Physik könnte mit konkreten, interessanten Experimenten schon wesentlich früher auch bei Mädchen geweckt werden. Wenn im Mathematik-Unterricht dann auch mehr Bezug zwischen Rechnungsmethoden und solchen Experimenten hergestellt werden würde, könnte das auch das Interesse an der “Sprache der Physik” fördern… Aktionen wie “Die Spürnasen” sind ideal, um schon in jungen Jahren sowohl bei Mädchen als auch Buben die Begeisterung für Wissenschaft generell zu wecken.

Da geht es um die Motivation der Jugend für bestimmte Themen. Welche Wege stehen nach dem Studium offen? Wie sehen die Jobchancen aus – auch außerhalb der klassischen Wissenschaft? Und sind die Grundlagen dafür für alle wirklich gleich?

Sucht man nach Forschungsergebnissen zu Unterschieden zwischen Frauen und Männern – etwa via AI oder durch „Googeln“ – findet man häufig Zusammenfassungen wie:

• Alltagserfahrungen formen das Gehirn, wodurch geschlechtsspezifische Rollenerwartungen Unterschiede verursachen können.

• Hormone beeinflussen Verhalten, Emotionen und Persönlichkeit – allerdings innerhalb großer individueller Bandbreiten.

• „Männer und Frauen sind sich ähnlicher, als sie verschieden sind“, wie es die US-Psychologin Janet Shibley Hyde in ihrer „Gender Similarities Hypothesis“ formuliert.

Gerade jetzt, wo AI unser Leben mehr und mehr begleiten wird, werden Frauen in vielen Bereichen sicher mindestens auf Augenhöhe gegenüber den Männern arbeiten.

Wenn Sie mehr über Sabine Klepsch und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem XING-Profil sowie hier den Link zur ihrem LinkedIn-Profil.


April 2026

Beatrix Hiesmayr, Professorin für Quanteninformation an der IT:U Interdisciplinary Transformation University Austria in Linz

© Luiza Puiu

Über mich und meine Arbeit

In der Oberstufe bin ich eher zufällig zur Physik-Olympiade gekommen. Wir holten alte Experimente aus dem Physikkasten hervor, entstaubten sie und rätselten, warum dieses oder jenes passiert. Natürlich wollte jeder die bessere, „richtigere“ Erklärung finden. Um das zu zeigen, musste man die Widersprüche in den Argumenten der anderen aufspüren – ein wirklich spannendes Abenteuer. Unsere Lehrkraft organisierte außerdem Exkursionen zum CERN bei Genf, dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt, und zum Deutschen Museum in München.

Das Studium war anstrengend, aber je tiefer ich in die Materie eindringen konnte, desto faszinierender wurde sie für mich. Das Schöne daran: Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn ich ein physikalisches Problem löse – worauf ich zu Recht stolz bin – tun sich im Prozess meist gleich zahlreiche neue, spannende Fragen auf. Langweilig wird mir also nie, und das ist wunderbar.

Mein Fachgebiet ist die Quantenphysik beziehungsweise Quanteninformationstheorie. Die Quantentheorie ist tatsächlich merkwürdig, weil sie unserer Intuition oft widerspricht – und gerade deshalb so erfolgreich, denn folgt man ihren Regeln, kann man zuverlässig vorhersagen, was geschehen wird. Wir leben derzeit in besonders aufregenden Zeiten: Es entstehen vielfältige Quantentechnologien, etwa abhörsichere Kommunikation aufgrund quantenphysikalischer Gesetze oder Quantencomputer, die völlig anders funktionieren als die Rechner, die wir heute nutzen. Vielleicht lassen sich sogar Quanteneffekte nutzen, um mehr über Prozesse des Krebswachstums im Menschen zu lernen oder um nicht invasiv in den Körper zu blicken. Bei meinem neuen Arbeitgeber, IT:U, kann ich nicht nur meine interdisziplinären Interessen und wissenschaftlichen Ideen verfolgen, sondern erhalte auch die Chance, ein völlig neues Labor aufzubauen, in dem wir Lichtteilchen auf unterschiedliche Weise verschränken werden.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Chancengleichheit in der Physik ist nach wie vor nicht gegeben, und im Vergleich zu vor 20 Jahren lässt sich leider nicht sagen, dass sich die Situation spürbar verbessert hat. Hier muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. Es wird viel darüber gesprochen – das ist wichtig, weil es das Problem sichtbar macht –, doch jetzt braucht es konkrete, zielgerichtete Maßnahmen, damit sich in zehn Jahren wirklich etwas ändert. Die skandinavischen Länder haben vorgemacht, wie es gehen kann: Am Ende führt kaum ein Weg an Quoten vorbei, verbunden mit spürbaren Konsequenzen bei Nichteinhaltung.

Ich persönlich habe nach vielen Jahren des Einsatzes endlich eine Position erreicht, die meinen Leistungen entspricht. Mit den Möglichkeiten, die mir nun zur Verfügung stehen, möchte ich Frauen auf ihrem Weg in die Wissenschaft gezielt fördern und begleiten.

Wenn Sie mehr über Beatrix Hiesmayr und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem IT:U-Profil.


Mai 2026

Elisabeth Gruber, PostDoc am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik an der Universität Innsbruck

© Elisabeth Gruber

Über mich und meine Arbeit

Ich habe Technische Physik an der TU Wien studiert und im Bereich der experimentellen Atomphysik promoviert. Anschließend war ich als Postdoc an der Universität Aarhus in Dänemark tätig, wo ich mich auf Molekülphysik und Laserspektroskopie spezialisierte. Im Rahmen eines FWF-Hertha-Firnberg-Grants sowie eines anschließenden FWF-Elise-Richter-Grants führte mich mein wissenschaftlicher Weg an die Universität Innsbruck. Dort baute ich eine neue Experimentieranlage auf, die die Spektroskopie kalter Molekülionen ermöglicht. In den letzten Jahren hat sich mein Forschungsschwerpunkt auf Molekülsysteme von astrochemischer Relevanz verlagert, die ich im Rahmen des kürzlich erhaltenen FWF-ASTRA-Preises weiter untersuchen werde.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Mehr Chancengleichheit in der Physik erfordert Maßnahmen auf mehreren Ebenen, von der frühen Kindheit bis zum Berufsleben. Die Prägung durch Familie und Gesellschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Dass noch immer zwischen „weiblichen“ und „männlichen“ Tätigkeiten, Fähigkeiten oder Interessen unterschieden wird, zeigt deutlich, dass weiterhin großer Handlungsbedarf besteht.

Da sich familiäre und gesellschaftliche Strukturen nur langsam verändern, kommt der Schule eine Schlüsselrolle zu. Frühzeitige Begeisterung für Physik kann dort durch Experimente, Projekte, Workshops oder den Kontakt zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geweckt werden. Entscheidend ist, dass diese Förderung unabhängig vom Elternhaus erfolgt, um allen Kindern gleiche Chancen zu ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Förderung von Frauen in späteren Phasen ihrer Laufbahn. Noch immer ist es schwierig, einen zeitintensiven Beruf mit Familie zu vereinbaren. Im akademischen Bereich fällt die Familiengründung häufig in eine unsichere Karrierephase mit befristeten Stellen, häufigen Ortswechseln und sehr hohen Arbeitszeiten. Frauen fühlen sich oft dazu gedrängt zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen. Außerhalb der Universitäten ist die Situation nicht besser: Während Männer mit Familie häufig positiv wahrgenommen werden, gilt sie bei Frauen noch immer als Karrierehindernis.

Der Abbau solcher Vorurteile braucht Zeit, kann jedoch durch strukturelle Maßnahmen gefördert werden, etwa durch bessere Kinderbetreuung, mehr Flexibilität am Arbeitsplatz und Ausbau von unbefristeten Stellen an Universitäten. Ergänzend sind Mentoringprogramme wichtig, wobei auch Männer stärker einbezogen werden sollten, um sie für bestehende Ungleichheiten zu sensibilisieren.

Frauenförderung wird meistens mit Frauenquoten in Verbindung gebracht. Zwar können diese mit negativen Begleiterscheinungen verbunden sein, etwa einer geringeren Anerkennung der erbrachten Leistung oder zusätzlicher Gremienarbeit, die derzeit oft auf wenige Frauen verteilt ist. Dennoch halte ich Frauenquoten – leider noch immer – für ein notwendiges Instrument, um Chancengleichheit zu erreichen. Sie tragen dazu bei, Frauen in Entscheidungspositionen zu bringen und dort neue Perspektiven einzubringen. Ich hoffe, dass solche Maßnahmen schon bald überflüssig werden und Chancengleichheit selbstverständlich ist.

Wenn Sie mehr über Elisabeth Gruber und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem Websiteprofil an der Uni Innsbruck, hier den Link zu ihrem ORCID sowie hier den Link zur Institutswebsite.


Juni 2026

Karin Wiesauer, Leitung Organisationseinheit Medizinphysik am Ordensklinikum Linz

© Karin Wiesauer

Über mich und meine Arbeit

Neben vielen anderen Interessen war ich immer schon von Technik fasziniert. Dies führte zum Entschluss, Technische Physik in Linz zu studieren, gefolgt von einer Dissertation im Bereich Halbleiterphysik. Dabei wurde ich immer durch das Vertrauen meiner Eltern unterstützt, dass ich das kann und schaffen werde. Im Anschluss folgte eine beinahe 10-jährige berufliche Tätigkeit in der angewandten Forschung, mit den Schwerpunkten Optische Kohärenztomographie und Terahertz-Technologie. Eher zufällig wurde ich auf den Bereich der medizinischen Physik aufmerksam und mir war klar, dass dies mein Weg sein sollte. Berufsbegleitend absolvierte ich den Universitätslehrgang für Medizinische Physik in Wien und bekam direkt nach Abschluss eine Anstellung als Medizinphysikerin im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Im Ordensklinikum bin ich seit nunmehr 13 Jahren tätig und leite dort seit ca. 3 Jahren die Organisationseinheit Medizinphysik. Oft weitgehend unbekannt, sind Medizinphysiker:innen in Krankenhäusern tätig, insbesondere dort, wo mit ionisierender Strahlung gearbeitet wird, wie der Strahlentherapie, der Radiologie und der Nuklearmedizin. Mein 18-köpfiges Team umfasst neben Medizinphysiker:innen auch Radiologietechnolog:innen in der Bestrahlungsplanung und einen Medizininformatiker. Das Schöne an der Tätigkeit als Medizinphysiker:in ist die offensichtliche Sinnhaftigkeit: Wir tragen tagtäglich zu einer sicheren und optimierten Behandlung von Patient:innen bei. Nebenbei arbeiten wir im engen Austausch mit verschiedenen Berufsgruppen und in einem hoch-dynamischen Umfeld mit permanenten technologischen Entwicklungen, was die Arbeit abwechslungsreich und spannend macht.

Was kann man für mehr Chancengleichheit in der Physik tun?

Zwei Erfahrungen, beide während des Studiums, habe ich heute noch in Erinnerung: Erstens die Frage, ob Technische Physik nicht ein schweres Studium für eine Frau sei. Meine Antwort „Nicht schwerer als für einen Mann“ brachte meinen Gegenüber kurz zum Nachdenken und letztendlich zur Erkenntnis, dass ich da eigentlich Recht hätte. Die zweite Situation gab mir wesentlich mehr zu denken, insbesondere da die Aussage von einer Frau kam: dass es für mich als Frau unverantwortlich sei, so ein Studium zu wählen, weil das würde ja nicht gehen, wenn ich dann Familie hätte. Das alles ist Jahrzehnte her, aber dennoch habe ich den Eindruck, dass dieses Bild noch recht tief in unserer Gesellschaft verankert ist. Mehr Chancengleichheit in der Physik benötigt mehr die Selbstverständlichkeit, dass Frauen genauso technisches Interesse und Begabung besitzen und gleichermaßen in diesen Bereichen tätig sind. Dies benötigt Förderung, und diese muss von Beginn an starten – im Kindergarten und der Schule durch entsprechend geschulte Pädagog:innen, im Studium durch gezielte Förderprogramme für Frauen und letztendlich im Berufsleben gegebenenfalls durch Quoten. Denn wenn Frauen bei der Jobsuche in geringerem Ausmaß berücksichtigt werden, dann liegt dies, soweit meine Erfahrungen, im Normalfall nicht an der schlechteren Qualifikation. Ich selber hatte nie den Eindruck, als Frau geringere Chancen zu haben, denn ich hatte das Glück im Studium und im Berufsleben auf Personen zu treffen, für die diese Selbstverständlichkeit Normalität war, und die ich im Nachhinein deswegen als Mentoren bezeichnen möchte. Solche Personen sind ebenfalls außerordentlich wichtig für die Chancengleichheit in der Physik. Ich sehe jedenfalls Männer und Frauen gleichermaßen gefordert. Den Mädchen und Frauen möchte ich aber mitgeben: Lasst euch durch keine vermeintlichen Rollenbilder vor irgendetwas abhalten, folgt euren Interessen!

Wenn Sie mehr über DI Dr. Karin Wiesauer, MSc. und ihre Arbeit erfahren möchten, finden Sie hier den Link zur ihrem LinkedIn-Profil, hier den Link zu ihrem XING-Profil sowie hier den Link zur Abteilungswebsite der Radioonkologie des Ordensklinikums.